Von dem Mann, der sich aufmachte, seine Träume zu verwirklichen

P1180328  Das ist die  Geschichte von dem Mann mit der orangen Mütze. Der Mann war ein fleißiger Mann. Er hatte schon einiges erreicht in seinem Leben durch Fleiß,  Ausdauer und Durchhaltevermögen. Ganz schön zäh konnte er sein. Einige, die ihn kannten, hielten ihn deswegen für stur. Er war eigentlich ein wenig zögerlich und vieles machte ihm Angst, vor allem zu tolle Träume. ” Die sind nichts für mich, ich bin ganz zufrieden mit meinem Leben. “, dachte er. ” Tolle Träume gehen ja doch nicht in Erfüllung, da schau ich nicht drauf.”

Sein Leben war nicht schlecht. Es gab keine Katastrophen und genügend Überraschungen, um nicht langweilig zu werden. Und eine solche Überraschung war die Begegnung mit der herzigen Giraffe. Er war spazieren an einem schönen sonnigen Tag und da sah er sie. Sie rührte sein Herz.  Sie kam ihm gleichzeitig ganz vertraut vor, als ob er sie schon immer kannte und auch ein wenig fremd. Zu schön für ihn eigentlich. Ein wenig erinnerte ihn die Giraffe an seine Kinder.  Anmutig trug sie ihre verwaschenen Herzen und niedlich war sie auch: Am liebsten würde er sie streicheln und füttern, den ganzen Tag. Doch ihre Augen leuchteten und schienen ihm die Botschaft zu senden, dass mit ihr in seinem Leben nichts so bliebe, wie es bisher war.P1180329

Er seufzte und ging seiner Wege. Doch am nächsten Tag musste er wieder an sie denken und am nächsten Tag wieder und wieder. Er arbeitete weiter und versprach sich, dass er sich einmal auf die Suche machen werde nach der niedlichen Giraffe. Die Erinnerung verblasste. Bis zu dem Tag an dem er sie zum zweiten Mal sah. Dieses Mal sah er sie in der Ferne stehen, ins Gespräch vertieft mit einer schönen Frau –  einer sehr schönen Frau, sie war rosig, gesund und bunt. P1180330 Jetzt kam mehr als nur Sehnsucht nach der Giraffe auf, der Neid meldete sich. “Ich möchte an Stelle dieser Frau sein und vertraut sein mit der kleinen Giraffe. Ich möchte sie streicheln, füttern und pflegen. Und hören, was die beiden sich da zu erzählen haben”.

So setzte der Mann seine orangene Arbeitsmütze auf, schätzte die Richtung und die Entfernung zwischen sich und der Giraffe ab, seufzte weil die Distanz so groß und er so klein war. Und begann zu gehen, ganz kleine Schritte. Er dachte dabei an den Straßenkehrer Beppo, der Momo sein Geheimnis verriet, wie er eine lange Straße bewältigte: “ Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.”  Also macht er seine Sache gut und immer kleine Schritte.

P1180323 - KopieAber er kam nicht vorwärts, die Schritte wurden immer kleiner und er hatte das Gefühl, einen Ozean durchschwimmen zu müssen. Es machte ihm keine Freude und weil er immer auf seine kleinen Schritte schaute, konnte er die kleine Giraffe auch nicht mehr richtig sehen. Wenn er hochschaute fiel sein Blick zuerst auf die schöne Frau und langsam machte die ihm Angst und allmählich begann er sie arrogant zu finden mit ihren roten Backen und dem übertriebenen Blumenschmuck.

Und dann machte er es genauso wie Beppo es sagte, dass man es nicht machen sollte:  ”Und dann fängt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.”

Aber wie dann? Die Gelassenheit von Beppo wird er nie erreichen, wie sich auch auf die Straße konzentrieren, wo doch da hinten die Giraffe steht? Er seufzt, setzt sich hin und will einmal durchschnaufen, weil er natürlich aus der Puste gekommen ist und sich sogar für einen winzigen Tappser zu kraftlos fühlt.  Da hört er ein Geräusch, ein lautes, ein unangenehmes Geräusch. Eine Tröte quietscht, schnauft und quäkt um seine Ohren herum. “Du liebe Güte, was ist denn das?” denkt der Mann. Eine Faschingströte – seine Kinder können mit solchem Krachzeug begeistert tagelang spielen. Ihn nervt sie.
“Na Kleiner, hast ja ne nette Mütze auf, was machst du denn so? drrääääät” fragt die Tröte.
” Ich bin grad auf dem Weg zu der Giraffe und der bunten Frau dahinten”, antwortet der Mann überrumpelt.
“Und was stehst du dann so miesepetrig rum? drüüüüüüüüttt” , quietscht die Tröte und rollte sich auf und ein.
“Naja, ich ruh mich ein wenig aus. Ich bin schon lang unterwegs und der Weg ist noch weit”, erzählt der Mann und wundert sich, warum er auf die Fragen der ungehobelten Tröte überhaupt antwortet.
” Was lang unterwegs? Weit? trööööööööt. Die Giraffe und die Dingsbunte da sind doch gleich dahiiiiiiiiiiiiiiinten. Nur ein kleiner Luftsprung und du bist… dröööööööööt” Die Tröte verheddert sich im Kreischen und Gröhlen.
“Wie mache ich denn einen Luftsprung?”, der Mann findet den Vorschlag der Tröte zwar etwas unseriös, aber auch verlockend.

Aber die Tröte sagt nichts mehr,  sie rollt sich auf und ein, trötet, quietscht und prustet “Ein bißchen Spaß muß sein”, “Tanze Samba mit mir” und andere nervige, lustige Lieder. Sie machte das aber so ausdauernd und mit einer solchen Inbrunst und Hingabe, dass der Mann schließlich lachen muss. Er wirft seine Mütze in die Luft und beginnt ein wenig zu tanzen, etwas zögerlich am Anfang, weil er sich albern vorkommt. Er zweifelt auch, ob er so je zur Giraffe kommen kann, wenn er der lauten Tröte folgt, die so eben schon wieder die Richtung…….. oh mann, er muss  sich beeilen, ein wenig tanzen, der Tröte hinterher. Er fühlt sich immerhin leicht als er scheinbar den falschen Weg einschlägt. Die Tröte macht Schleifen und Drehungen, Wendungen und Loopings aber sie führt den Mann sicher und leicht zur Giraffe.

zielbildUnd da steht er dann mit klopfendem Herzen neben ihr. Sie ist größer als er erwartet hat, stärker und selbständiger – aber immer noch reizend. Er würde sie hegen und pflegen, aber gleichzeitig (und das hatte er vorher nicht sehen können) beschützt sie ihn. Neben ihr fühlt er sich sicher und stark und kann jetzt der bunten Frau ins Gesicht sehen. Wie konnte er sie für arrogant halten? Sie ist das Gegenteil davon eine Frau mit rosigen Wangen und neugierigem Blick. Ein wenig sehr bunt, kann sein und vielleicht ein wenig naiv, schon möglich. Sie beiden würden sich hervorragend um die Giraffe kümmern. Trääääääääääät! OK, OK, die drei.

 

Die Geschichte hat eine Kundin geschrieben, die gerade auf dem Weg zu ihrer Herzensgiraffe ist.  Danke und alles Gute auf Ihrem Weg.

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